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Editorial

«Und plötzlich in diesem mühsamen
Nirgends ..., öffnet sich die Wüste zum
Ort der Suche nach Orientierung und
Sinn, zum Wendepunkt, wo das Leben
neu aufbricht ...»
Wir aber wollen so durch die Wüste reisen, dass an uns
wahr wird, was Elisabeth Gertsch weiter schreibt:
«Wer die Wüste achtet und liebt, der wird zu den
verborgenen Brunnen und Quellen fi nden und nicht
dürstend an ihnen vorübergehen.»
Elisabeth Gertsch
Wer die Wüste liebt, dem wird sie bald schon zur
fruchtbaren Oase werden, ja zum blühenden Blu-
mengarten wird sie ihm.
Wer die Wüste achtet und liebt....»
Und wir werden sehen: «Es macht die Wüste schön,
dass sie irgendwo einen Brunnen birgt».

Antoine de Saint-Exupéry

Die heutige Welt ist in vielerlei Hinsicht mit einem Ameisenhaufen zu vergleichen - Rund um die Uhr in hektischer Geschäftsamkeit unterwegs; ein ständig in scheinbarem Chaos herumwuselnder Haufen von gesichts- und namenslosen Arbeitern... Das eigene Leben bleibt dabei auf der Strecke.

Hier bleibt keine Zeit für die einzelne Ameise, bzw. für den einzelnen Menschen, über seine Existenz nachzudenken; sich Fragen zu stellen oder einfach nur zur inneren Ruhe zu finden.

Aber ist Mensch mehr als nur eine Maschine, er ist Geschöpf und zugleich Ebenbild Gottes. Nur Gott kann seinem Leben letztlich wahrhaftigen Sinn schenken.

Die Weite und Leere der Wüste ist Sinnbild für die Rat- und Ziellosigkeit der menschlichen Seele, jedoch ist Sie zugleich auch Symbol für Möglichkeiten und Hoffnung des Menschen, im scheinbar leeren Raum die Fülle des Lebens zu entdecken.

Das Herz eines Menschen ist vielfach von Dürre und Entbehrung gezeichnet, auf dem oftmals auf den ersten Blick nichts mehr zu gedeihen scheint...
Kehrt das Individuum jedoch in sich selber zurück und lernt auch mit wenig zurecht zu kommen und trotzdem den Lebensmut nicht zu verlieren, so wird es vielleicht erkennen, dass das verdorrte Gestrüpp mit etwas lebensspendendem Wasser zur wunderbaren Wüstenrose heranzublühen vermag.

Darum laden wir suchende Individuen ein, sich mit uns durch die Wüsten des Lebens zu wagen und endlich in Ruhe und Stille inmitten von Dürre und Hitze die Oase des eigenen Ichs zu finden...

Die Wüstengebiete Marokkos waren seit Einführung des Kameles in der Sahara um die Zeitenwende Durchzugsgebiet großer Karawanen, die von den Häfen am Mittelmeer bis an den Niger führten und große Handelszentren wie Marrakesch, Quarzazate, Chinguetti, Oualata und Timbuktu verbanden.

Erst das Kamel machte die Durchquerung bzw. teilweise Nutzung der größtenteils lebensfeindlichen Gebiete der Sahara durch Nomadismus möglich. Die hohe Mobilität der nomadischen Völker der Westsahara und die Ausbildung eines „Kriegeradels" ermöglichten den als Almoraviden in die Geschichtsschreibung eingegangenen maurischen Stämmen die militärische Schlagkraft und Überlegenheit, welche im 11. Jahrhundert zur Bildung des maurischen Großreiches führte.

Unsere zehntägige Trekkingkarawane führt uns durch Stein-, Fels- und Dünenwüste südlich von Zagora. Unsere Begleiter sind nomadisierende Berber und gehören somit der ältesten Bevölkerungsgruppe Marokkos an. Die Berber sind „die Ureinwohner Nordafrikas!" Die genaue Herkunft der Berber ist nach wie vor unklar. Tatsache ist, dass sie quasi von einer mediterranen Urbevölkerung abstammen und ihr Siedlungsgebiet schon im 3. Jahrtausend v. Chr. den ganzen Norden des afrikanischen Kontinents umfasste. Durch das Eindringen der Römer und die Araber Einfälle wurden sie jedoch fast gänzlich in die Bergregionen zurückgedrängt. Berber findet man heute hauptsächlich in den Gebirgen Marokkos, aber auch in Algerien, Tunesien, und Libyen. Auch die Tuareg, die wohl bekanntesten Nomaden der Sahara, werden ethnisch den Berbern zugeordnet.

Der Name Berber geht auf das Wort „Barbar" zurück, das von den Römern eingeführt und von den Arabern übernommen wurde. Die Berber nennen sich selber „Imazighen", was soviel wie „freie Menschen" bedeutet. Unsere Betreuer gehören der größten nomadisierenden Berber-Gruppe, den Schlöh, an. Ihre Muttersprache ist der Berberdialekt Tachelheit.

Männer wie Mohammed, Said oder Houssine, um nur einige unserer bewährten Nomadenfreunde und Chameliers zu nennen, begleiten die Gruppe. Sie sind erfahrene Karawanenleute, die mit ihren Kamelen schon viele Hundert Kilometer durch die Sahara gezogen sind. Der Verlauf der Dünen und der Wind bei Tage und das Sternbild des Orion bei Nacht dienen ihnen noch heute als Kompass und zur Orientierung.

Karawanen waren und sind noch heute aufwendige und z.T. risikoreiche Unternehmungen, auf deren Organisation und Durchführung die Nomaden der Sahara mit Recht stolz zurückblicken können. Die Durchquerung der großen Wüstengebiete mit Kamelkarawanen gehört bis heute zu den anstrengendsten Tätigkeiten, die man sich vorstellen kann.

Unsere Trekkingkarawane verläuft ganz im Stil dieser Karawanen. Jeder Teilnehmer reitet bzw. geht allerdings täglich nur fünf bis sechs Stunden mit einem Kamel, das auch Gepäck transportiert.

Männer wie Brahim, Youssef, Houssine, etc wissen selbst nicht mehr genau, wie oft sie die Kaemelherden ihres Stammes - manchmal duzende Kamele - durch die Wüstengebiete Süd-Marokkos geführt haben. Nur soviel steht fest - sie sind stets heil zurückgekommen, ebenso wie die ihnen anvertrauten Menschen und Tiere. In der Nomaden-Schule fürs Leben sind sie die erfahrensten Lehrer!